Der Neuburger Madrigalchor


Seit 1976 auf der musikalischen Bühne zu Hause

Der Neuburger Madrigalchor, ursprünglich als kombinierte Instrumental- und Vokalformation konzipiert, wurde im Jahre 1976 gegründet. Er bereicherte mit seinen Auftritten zunächst schwerpunktmäßig das alle zwei Jahre stattfindende  Neuburger Schlossfest. Unter dem seit 2002 bewährten Dirigat von Gabriella Lay (Lehrerin und studierte Kirchenmusikerin)  wuchs der Chor erheblich an den Herausforderungen, sodass er zwischenzeitlich auch im Rahmen von Chorreisen (Frankreich, Österreich, Polen, Ungarn, mehrfach innerhalb Deutschlands) Konzerte zu geben imstande ist.  Im Jahr 2016 wurde das 40-Jahres-Jubiläum mit einem Konzert, einschließlich der Vorstellung einer neuen, selbst kreierten Fahne gefeiert.

Ein Gastauftritt in der Neuburger Apostelkirche
Ein Gastauftritt in der Neuburger Apostelkirche

Der Madrigalchor vor der beeindruckenden Kulisse des Neuburger Schlosses
Der Madrigalchor vor der beeindruckenden Kulisse des Neuburger Schlosses

Vielseitigkeit als Markenzeichen

Die Spannweite umfasst musikalische Werke vom frühen Mittelalter bis zur Moderne. Die Variabilität des Chores hat er im Jahr 2015 anlässlich einer Reise nach Polen eindrucksvoll dahingehend unterstrichen, dass Chorwerke in insgesamt zehn verschiedenen Sprachen bravourös dargeboten werden konnten. Markenzeichen des Chores sind vielfache „höfische“ Auftritte in historischer Gewandung des 16. Jahrhunderts. So bildeten die farbenprächtigen Kostüme eindrucksvolle Kulissen beispielsweise bei Auftritten bei der Bundesgartenschau in München (2005) und - in beeindruckendem weihnachtlichen Ambiente - auf der Schallaburg (bei Stift Melk / Österreich, ebenfalls 2005. 


Unsere Highlights ...

Eines der „Highlights“ war ein Auftritt im Jahr 2017 anlässlich der Ausstellungs-Eröffnung „Fürstenmacht und wahrer Glaube“, bei dem auch der seinerzeit amtierende Bayerische Ministerpräsident als Schirmherr anwesend war. Die Ausstellung wurde im November 2017 mit einem gemeinschaftlichen Konzert zum Thema „Der Mensch entzweit – Musik vereint“ mit dem ebenfalls in Neuburg beheimateten Chor „Windrose“ abgerundet. 

Für sein Engagement wurde dem Chor eine besondere Ehrung zuteil -

seit 2017 ist er Träger des Kulturpreises der Stadt Neuburg an der Donau.

Verleihung des Kulturpreises der Stadt Neuburg an der Donau im Jahr 2017
Verleihung des Kulturpreises der Stadt Neuburg an der Donau im Jahr 2017


Ein Chor im Wandel der Zeit

Mehr als spannende vier Jahrzehnte hat der Neuburger Madrigalchor nunmehr gemeistert. Es war nicht immer einfach. Zum "1. Neuburger Schlossfest" gegründet, bestand die Formation ursprünglich aus drei Elementen: der Hofmusik, den Hoftänzern, und eben dem Madrigalchor. Diese Symbiose war für den damaligen Zweck, nämlich, das höfische Leben der Renaissance authentisch nachzuempfinden, sicher optimal. Rund ein Jahrzehnt später wurde der Madrigalchor quasi "in die Selbständigkeit entlassen", da sich sowohl die Hofmusik als auch die Hoftänzer eigenständig entwickelt hatten.

 

Zirka 25 Jahre wurde der Chor als Synonym für "höfische Vokalmusik der Renaissance" eingestuft. Unter den engagierten künstlerischen Leitungen von Paul Toft (Gründer der Formation - Aktionszeitraum: 1976-1987) und Klaus Peschik (1987-1991) wurde das Repertoire des Chores erheblich erweitert, verblieb jedoch im ursprünglich konzipierten Genre. Schwere Zeiten sollten dem Chor bevorstehen; dass dieser nicht auseinander brach, ist im Zeitraum 1992-1995 den Interimsleitern Johannes Braun (hauptamtlich: evangelischer Pfarrer), Norbert Stork (hauptamtlich: Lehrer), sowie, Rolf Scheiner (ebenfalls hauptamtlich Lehrer), zu verdanken. Schließlich konnte der Kirchenmusiker Franziskus Wawrzik dazu gewonnen werden, den Chor weiter als Dirigent zu begleiten. Ihm folgte im Jahr 2001 Ralf Franz, dessen Wirkungszeit aber auf Grund seiner hauptberuflichen Fortentwicklung als Kirchenmusiker nur auf ein Jahr begrenzt war.

 

Als "Weihnachtsgeschenk" im Jahr 2002 übernahm Gabriella Lay, ebenfalls Kirchenmusikerin, die Leitung des Adventskonzertes. Relativ schnell wurde klar, dass sie mehr vorhatte, als die Chorgemeinschaft nur in der Musik des 16. Jahrhunderts verharren zu lassen. Als gebürtige Ungarin mit dem nötigen "Gewürz-Esprit" versehen, wagte sie sich aus der "Renaissance-Umklammerung" in spätere musikalische Jahrhunderte, und der - im Laufe der Zeit zahlenmäßig gewachsene - Chor folgte bereitwillig ihrer Begeisterungsfähigkeit und Ihrem Engagement. Gepaart mit fast schon an Dickköpfigkeit grenzende Beharrlichkeit, ist es letztendlich ihr zu verdanken, dass zwischenzeitlich Werke zur Aufführung gebracht werden können, welche die Spannbreite von den Anfängen mehrstimmigen Gesanges bis zu Kompositionen der Gegenwart umfassen.


Das Repertoire

Die zeitliche Bandbreite erstreckt sich von den Anfängen deutscher Mehrstimmigkeit ("Sei willekommen, Herre Christ" - ältestes überliefertes Weihnachtslied deutscher Sprache; eines der frühesten Zeugnisse deutscher Mehrstimmigkeit aus dem  14. Jahrhundert) bis hin zu Kompositionen zeitgenössischer Tondichter. Um die Authentizität vertonter Texte nicht zu verfälschen, ist die Aufführung in den Originalsprachen gängige Praxis. So hat der Chor schon "Crash-Kurse" in verschiedenen europäischen Sprachen hinter sich gebracht. Die Wiedergabe von Werken in den Sprachen

  • Deutsch,
  • Englisch,
  • Französisch,
  • Italienisch,
  • Kroatisch,
  • Latein,
  • Polnisch,
  • Spanisch,
  • Tschechisch und
  • Ungarisch

wird regelmäßig gehandhabt. Das Repertoire umfasst ausschließlich mehrstimmige Sätze, welche sich in einer Bandbreite zwischen drei und sechs Singstimmen bewegen. Der regelmäßigen Einbindung in das alle zwei Jahre stattfindende "Neuburger Schlossfest" geschuldet kommen Werke zur Aufführung, die in zeitgenössischer Tradition der Regentschaft des Pfalzgrafen und späteren Kurfürsten Ottheinrich

(1502-1559) stehen. Jacob Paix , der zudem am Neuburger Hof als Organist und Kapellmeister fungierte, ist in einer Reihe zu nennen mit z. B. Gregor Peschin, Heinrich Schütz, Orlando di Lasso, Giovanni Pierluigi da Palestrina oder Hans Leo Haßler. Dass so viele auf die Pfalz Neuburg bezogene, authentische Werke zu Gehör gebracht werden können, ist nicht zuletzt der engagierten Recherchetätigkeit von Familie Schefers zu verdanken.

 

Des weiteren befasst sich der Chor mit Vokalwerken aus der Barock-Epoche, stellvertretend hierfür seien Auszüge aus Tondichtungen von Johann Sebastian Bach, Georg Friedrich Händel oder Georg Philipp Telemann. Aber auch "Klassiker" wie Schöpfungen von Wolfgang Amadeus Mozart, Johannes Brahms, Franz Liszt oder dem Romantiker Joseph Gabriel Rheinberger befinden sich im Fundus.

 

Abgerundet wird das Repertoire mit Werken der Moderne - Chorsätze von Lajos Bárdos, Béla Bartók oder Zoltán Kodály gehören ebenso dazu wie Vokal-Literatur von Heinrich Kaminski, Ernst Lothar von Knorr oder Carl Orff, um nur einige zu nennen.

 


Ohne Fleiß kein Preis...

So banal die Phrase klingen mag - der Chor nimmt sie wörtlich. Nur durch konsequente Arbeit hat sich die als gemeinnütziger Verein etablierte Singgemeinschaft in den vier Jahrzehnten seit Gründung ein Repertoire von rund 300 Werken der unterschiedlichsten Schwierigkeitsgrade erarbeitet. Zur Einstudierung der einzelnen, nahezu ausschließlich a cappella gesungenen Kompositionen trifft sich der Chor regelmäßig einmal pro Woche. Dass vor Konzerten und Auftritten die Arbeit intensiviert werden muss, versteht sich dabei von selbst - und damit alle Mitglieder immer auf dem Laufenden sind, wird der Probenplan regelmäßig aktualisiert - unter anderem auch auf unserer Homepage.


In eigener Sache...

Sie wollen ihren Stimmbändern Freiraum verschaffen? Sind bereits sängerisch aktiv? Haben schon etwas Erfahrung mit Chorliteratur (keine Angst, auch wir lernen ständig...)? Möchten gerne in einer kleinen, feinen Chorgemeinschaft mit familiärem Charakter integriert werden? Oder einfach nur mal "reinschnuppern"? Nichts leichter als das. Nehmen Sie einfach Kontakt mit uns auf. Zur Erhaltung der Chorvielfalt haben wir immer eine offenes Ohr für interessante und interessierte Stimmen "in allen Lagen". 


Unser Wahrzeichen

Zum 40-jährigen Bestehen des Chores wurde durch mehrere engagierte Mitglieder gemeinschaftlich eine Fahne kreiert, welche bei dem Konzert zu diesem Anlass Konzert vorgestellt wurde. Gewürdigt wurde sie in Form einer Widmung, welche ein aktiver Sänger der Singgemeinschaft (im Hauptberuf Literat) verfasste.

Auf die Fahne

Diese Fahne seht als Zeichen,

dass wir hier versammelt sind,

dass wir hier mit unseresgleichen

singen - auch bei Gegenwind.

 

Sie begleitet uns auf Reisen

in den Farben grün und weiß,

hört die alt- und neuen Weisen,

mal grazioso, mal mit Schweiß.

 

Melodien und Gesänge,

geistlich, weltlich, traurig, froh;

daraus formen wir die Klänge

im ausgewog'nen Stimmenzoo.

 

 

Nun, die Fahne gibt dem Chor

einen Kammerton zum Sehen.

Alt, Sopran, Bass und Tenor

könn'n nicht mehr verloren gehen.

 

Wie der Wind so flüchtig ist Musik,

doch unentbehrlich wie ein Kuss.

Wie die Fahne ist sie nur Physik

und zugleich: der wunderbare Überfluss.

 

(Copyright © 2016 - Jürgen von Stenglin)